Karpatenabenteuer

Zu einem richtigen Winter gehört auch richtiger Wintersport, möchte man meinen. Das sei uns nicht zweimal gesagt. Wenn schon Wintersport, dann aber richtig. So schließen wir uns also einer kleinen Gruppe moldawischer Schüler und ihrer Familien an, um  in den ukrainischen Skiort Dragobrat zu fahren. Der Winter empfängt uns schon auf der Straße. Starker Schneefall, Wind, die ohnehin schon eher aus Schlaglöchern als aus Asphalt bestehende Straße ist nicht mehr zu sehen. Für unseren routinierten Busfahrer soll das aber nicht hinderlich sein. Wir fahren einmal durch die ganze Republik Moldau, stehen mitten in der frostigen Nacht ewig an der Grenze zur Ukraine und fahren dann weiter durch scheinbar unendliche Dörfer. Es ist der orthoxe Heiligabend, ab uns an sieht man Babuschkas mit Kopftuch durch die Nacht eilen. Dann tauchen im Morgengrauen Berge vor uns auf, eher Hügel, die wir langsam erklimmen. Der Schnee wird höher, die Tannen am Straßenrand immer undurchsichtiger. Schließlich kommen wir gegen halb 8 in einem Dorf am Fuß des Berges an. Von nun an geht es nur noch mit einem sowjetischen Gaz-LKW weiter. Andere Fahrtzeuge bewältige die verschneiten Waldwege nicht mehr. Der Gaz nur leider auch nicht immer – nach 10 Minuten Fahrzeit gibt es einen Ruck. Motorschaden. Draußen sind 25°C unter null. Ist der Motor kaputt, funktioniert auch kein Ofen mehr. Nach 45 Minuten und gefühllosen Zehen können wir in ein anderes Gefährt umsteigen. Gegen halb 10 kommen wir endlich oben an – Dragobrat empfängt mit wunderbarstem Sonnenschein. Davor aber noch ein ordentliches ukrainisches Frühstück. Gretschka (Buchweizen) und ein ordentliches Stück Fleisch werden aufgetischt. Die Piste wartet. Hier sagen Bilder wirklich mehr als 1000 Worte. Pures Glück.

Zu schön, wenn das Wetter so bleiben würde. Nebel und Schneesturm dürfen auf 1500 Höhenmetern nicht fehlen. Zugegeben, viele Schneestürme habe ich noch nicht erlebt, aber der sprengt doch alle Vorstellungen. Gefühlt ein Meter Neuschnee, mannshohe Schneewehen, kein Gefährt kommt mehr vor oder zurück. Am nächsten Tag sind die Lifte wieder offen. Die Pisten auch. Naja. Pisten bedeutet in diesem Fall, dass sich Schneewehen und Eisplatten abwechseln. Das Skifahren bekommt einen, sagen wir, besonderen Charakter. Nichtsdestotrotz. Wir wollten ja richtigen Wintersport – da ist er.

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s