Schwimmen auf moldawisch

Ich hab mir vorgenommen Sport zu machen. Also los! „Hai давай“ sagt man hier (die typische Mischung aus Rumänisch und Russisch). Ein flacher Plattenbau inmitten typischer sowjetischer Hochhäuser. Den Eingang erreicht man über eine unscheinbare Stahltreppe, auf einem blauen Schild ist die Sportschule Nr.25 ausgeschrieben. Hier gibt es ein Schwimmbad. Zwischen sieben und neun Uhr abends  dürfen hier auch Normalbürger schwimmen gehen. Sehr gut. Ich komme in einen kleinen Flur mit Bänken an der Seite und von dort aus in ein Zimmer mit Jacken und Schuhen. Hellbrauner Linoleumfußboden. Ich spreche eine Frau an  und mache meinen sportlichen Willen deutlich. Sie lächelt, fragt mich nach meinem Alter. Erwachsene zahlen 46 Lei, Schüler 30 Lei. Ich zahle 30. Freiwillige haben Glück. Hier zumindest.

Die Umkleidekabinen sind gefliest, die Bänke am Rand des Raumes sind niedrig, für Kinder gemacht. Durch die Dusche kommt man in eine dunstige Schwimmhalle. Weißes Neonröhenlicht.. 4 Bahnen á 25 Meter. Ich steige in das blaue Becken, das Wasser ist warm, angenehm. 28°C steht an einer Tafel. So fange ich an meine Bahnen zu ziehen. Ein bisschen erschrecke ich, als ich mich an einem Ende plötzlich am Beckenboden stoße – der Boden macht einen Knick. Wohl das Kinderbecken.

Außer mir sind noch jede Menge Kinder im Wasser, das Schwimmen wird mehr und mehr zu Herausforderung. Es spritzt von allen Seiten, das nächste Bein, der nächste Körper ist nie weit. Ein durchtrainierte Schwimmer pflügt noch durchs Becken, ohne Rücksicht auf Verluste versteht sich. Ausweichen will gelernt sein, einmal kollidieren wir.

An einem Ende gibt eine strenge Schwimmlehrerin einigen Mädchen Unterricht. Auf Rumänisch brüllt sie Anweisungen durch die Halle. Es hallt. Ich habe bedenken, dass die armen Kinderchens trotzdem gleich absaufen und in den Tiefen des Beckens verschwinden. Aber was solls, da müssen sie wohl durch. Die eine Stunde vergeht schnell. Wohl weil mir plötzlich die Idee kommt, einen Blogeintrag zu schreiben.

Ich steige aus dem Becken und gehe in die Dusche, irgendwelche Jungs witzeln neben mir, fragen mich auf Rumänisch, ich verstehe nur irgenwas mit „gelb“. Ich bitte sie Russisch zu reden. Ich solle doch beurteilen, ob einer der beiden gelbes Haar hat. Das Haarshampoo scheint zum colorieren gedacht. Ich kann ihn beruhigen, nichts Gelbes in Sicht.

Zurück im Repzeptionsraum kommt, was kommen musste. Ich werde interviewt. Woher kommst du? Was machst du? Wo wohnst du? Wie gefällts dir? Nette Leute.

 

 

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