Reiseprotokolle, Protestdokumente

Die Zielgerade liegt vor mir – drei Monate verbleiben noch. Drei von zwölf. Seit meinem letzten Artikel sind wieder einige Wochen vergangen. Bemerkt habe ich das allerdings nicht wirklich. In der letzten Zeit bin ich vor allem gereist, in die Westukraine, nach Odessa, nach Transsilvanien und in die rumänische Moldau. Aber der Reihe nach.
Es ist Anfang April, Ostern. Ich habe frei, also beschließe ich in die Ukraine zu fahren. Die Städte Vinnytsa und Ternopil habe ich im Auge. Meine Reise beginnt mit dem Bus zur Grenze im Norden der Republik Moldau. Das übliche leichte Schaukeln über die huckeligen Straßen. Auf der ukrainischen Seite wird die Landschaft plötzlich weiter, die Felder riesig, die Straße noch schlechter. Ein ganz klein wenig erinnern mich die beackerten Landstriche an die Altmark. Ich komme in Vinnytsa an. Es ist kühl und windig. Anders als Chisinau ist die Stadt vielleicht ein wenig gemütlicher, mit vielen Gebäuden aus dem frühen 20. Jahrhundert. Außerdem gibt es in Vinnytsa die höchste Fontaine Europas, angelegt im örtlichen Fluss. Roshen hat sie gebaut, eine Süßwarenfirma des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko. Ich übernachte bei einer alten Deutschlehrerin, die einige Jahre mit ihrem Mann in der DDR gelebt hat. Der Empfang ist einzigartig herzlich. In der Wohnung lebt noch eine junge Frau mit ihrer Tochter, sie sind aus Lugansk hierher geflohen. In diesem Sinne ist der Krieg im Osten allgegenwärtig. Auf der Straße, in den Zügen sieht man viele Soldaten, auch verwundete. Plakate und Spendensammler rufen zu Unterstützung für die ukrainische Armee auf. Im Museum komme ich mit einer der Mitarbeiterinnen ins Gespräch. Dass Russen und Ukrainer je noch einem gegeneinander kämpfen würden, ginge in keinen Kopf rein, sagt sie. Ich fahre weiter nach Ternopil, weiter in den Westen. Im Zug treffe ich eine Frau, die aus Charkiw (Ostukraine) nach Hause fährt. Sie spricht nur Ukrainisch. Irgendwie verstehen wir uns doch. Auch wenn Ukrainisch eine eigene Sprache und nicht nur, wie häufig angenommen, ein Dialekt des Russischen ist. Ternopil ist eine Stadt, die durch Österreich-Ungarn und Polen geprägt ist. Das macht auch das Stadtbild deutlich. Um ehrlich zu sein könnte man sich auch irgendwo in Mitteleuropa aufhalten. Diesmal übernachte ich bei einem Studenten auf einem Dorf. Die Leute ächzen unter den gewaltigen Preiserhöhungen von Gas, Wasser, Strom und Lebensmitteln. Die Mutter des Studenten, hat eine Rente von 1100 Griwna (etwa: 50€). Sie arbeitet noch nebenbei als Friseurin. Irgendwie geht es schon, sagt sie. Aus Ternopil fahre ich mit dem Nachtzug nach Odessa. Es ist Ostersonntag.

 

Neben den Ausflügen in die Ukraine habe ich auch ein wenig mehr von Rumänien entdecken können. Einige Tage verbrachte ich mit anderen Freiwilligen in Brasov (dt. Kronstadt). Die deutschen Spuren der Siebenbürger Sachsen sind unübersehbar. In der evangelischen Hauptkirche finden die Gottesdienste auf Deutsch statt, eine deutsche Schule befindet sich daneben, Straßen tragen deutschklingende Namen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie europäisch doch rumänische Städte sind. Dabei gilt Rumänien in Deutschland als wahnsinnig rückständig, dreckig und arm. Auf ländliche Gegenden mag das auch teilweise zutreffen. Für Brasov aber definitiv nicht.

 

Mit den warmen Tagen scheinen in den letzten Wochen die Chisinauer auch Protestmärsche für sich entdeckt zu haben. Am 03. Mai wehen dutzende Europaflaggen auf dem Hauptplatz der Stadt. Rund 40 000 Menschen haben sich versammelt um gegen die korrupte Regierung und die mafiösen Strukturen in Staat und Gesellschaft zu protestieren. Ein Protest in den Landesfarben Blau-Gelb-Rot. Es wird Rumänisch gesprochen. Nebenbei möchte man auch sagen, dass es Zeit sei nach Europa zu streben. Angemerkt sei noch, dass es vor kurzem einen Bankenskandal gab, bei dem, um es zugespitzt auf den Punkt zu bringen, Milliarden an Steuergeldern gestohlen und kurzerhand ins Ausland transferiert wurden. Auf der Kundgebung spürt man die Wut der Menschen auf die Regierenden. Die ewige Korruption müsse doch endlich einmal gestoppt werden.
9.Mai. Tag des Sieges über den Faschismus für die einen. Europatag für die anderen. Wieder mehrere zehntausend Menschen, man hört von bis zu 70 000 Teilnehmern des Marsches vom Zentrum zur Gedenkstätte für die Helden des 2.Weltkriegs. Hier dominieren orange-braune Flaggen das Bild, die für das St. Georgsband stehen, das in vor allem Russland als Zeichen des Sieges über das nationalsozialistische Deutschland getragen wird. Außerdem einige Sowjetflaggen. Die Menschen sprechen im wesentlichen Russisch und skandieren: „Sieg!“ „Sieg!“ oder Danke Opa für den Sieg. Ein Mann mit einer gewaltigen Stimme brüllt: „Yankee go!“. Amerikaner geht! Die Leute um ihn grinsen und lachen. Man nimmt es als Scherz hin. Rote Sterne sind zu sehen und Menschen mit Bildern ihrer Groß- und Urgroßväter, die im Krieg gefallen sind, marschieren mit. Natürlich dürfen die Veteranen nicht fehlen. Sie führen, mit Orden behangen, in einem Oldtimer den Zug an . Auch örtliche Politiker nutzen den Anlass um mitzulaufen und sich zu präsentieren. Im Wesentlichen die Chefetage der Sozialisten, die auf ihren Plakaten zur Parlamentswahl im November 2014 offen mit Wladimir Putin geworben hatten. Das Fernsehen drängt sich. Bald wird schließlich wieder gewählt – diesmal kommunal.

„Dass der Mensch weiß, dass er morgen nicht an Hunger stirbt“

An dieser Stelle soll Alla, meine Mentorin, zu Wort kommen:

Mein Name ist Alla Muntean, ich bin 1990 in Drochia, im Norden der Republik Moldau, geboren. Meine Mutter arbeitete zuerst als Konditorin in einem Restaurant, danach hat sie angefangen auf dem Markt Waren zu verkaufen. Mein Vater hat so eine Art kleine Business aufgebaut. Gerade in der Zeit nach dem Zerfall der Sowjetunion war es so, dass es bei uns in Moldau bestimmte Sachen nicht gab. Kleidung, Schuhe, Haushaltswaren. Er ist also in die Ukraine gefahren, hat sämtliche dieser benötigten Gegenstände dort eingekauft und hier weiter vertrieben.

Bildung
Ich bin 12 Jahre in Drochia zur Schule gegangen. In all diesen Jahren, überhaupt immer vom Kindergarten bis zur Uni, habe ich auf Rumänisch gelernt, obwohl ich eigentlich aus einer russischsprachigen Familie komme. Nach der Schule wechselte ich nach Chisinau und studierte erst drei Jahre lang Fremdsprachen, Englisch und Italienisch, und dann noch einmal zwei Jahre Journalismusmangement.

Familie
Noch bin ich nicht verheiratet und Kinder gibt es auch noch keine.

Chisinau hat mir zu Anfang überhaupt nicht gefallen, ich dachte nach einem Jahr gehe ich hier wieder weg. Aber man gewöhnt sich eben. Jetzt gefällt es mir Chisinau vor allem, weil ich hier viele Freunde und Bekannte und eine interessante Arbeit habe. Aber wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich mir vielleicht doch eine andere Stadt zum Leben aussuchen. Welche, weiß ich auch nicht. Aber mit Sicherheit in einem anderen Land. Warum? Vielleicht weil ich im Ausland viele Dinge gesehen habe, die mir besonders gefallen, hier aber nicht gibt. Beispielsweise eine gewisse Ordnung oder Formen des kulturellen Umgangs miteinander.

Einstellung zum eigenen Land
Es ist schon ein bisschen merkwürdig, ich bin in einer russischsprachigen Familie geboren, habe aber mein ganzes Leben in Moldau verbracht. Früher habe ich überhaupt keine Verbindung zu diesem Land gefühlt. Erst als ich angefangen habe, ins Ausland zu fahren und einige Monate in anderen Ländern zu leben, habe ich bei der Rückkehr nach Moldau gemerkt, dass hier doch irgendwie mein zu Hause ist, mit dem man etwas gutes verbindet.

Erinnerungen und Erzählungen aus der Zeit des Umbruchs
Das einzige woran ich mich aus dieser Zeit erinnere ist, dass es oft keinen Strom gab. Es gab dann eine Periode am Tag, wo es überhaupt nirgends Strom gab. Ja, so war es. Viele Dinge gab es nicht in den Geschäften. Die meisten Menschen haben alles zu Hause gemacht oder aus dem Ausland hergebracht. Alle waren mehr oder weniger erfinderisch, mussten es sein. Ich glaube die Menschen haben sich seit dieser Zeit nicht sehr verändert. Alle Veränderungen, die in diesem Land passieren, passieren dank der jungen Generation, dank derer, die heute um die dreißig sind. Für die meisten älteren Menschen, sicher nicht für alle, aber doch für die Mehrheit, verändert sich alles, was sich verändert zum Schlechteren.

Hoffnungen, Wünsche, Träume für die Zukunft
Ich habe natürlich schon noch Hoffnungen für dieses Land, gäbe es die nicht, wäre nicht jetzt nicht mehr hier. Immer, wenn ich weggefahren bin, verreist bin, dachte ich: Es reicht jetzt, ich komme nicht mehr zurück. Aber trotzdem bin ich immer wieder zurückgekommen. Besonders als ich von meinem Freiwilligendienst in Polen zurückgekommen bin, habe ich mich ganz bewusst entschieden hier zu bleiben und zu arbeiten, weil ich glaubte, dass das zum Wohl des Landes sei. Diese Einstellung gibt es noch immer, ich weiß aber nicht, wie lange ich noch so entschieden sein kann. Für mich, was meine persönlichen Wünsche angeht, plane ich eigentlich nie länger als ein Jahr voraus. Ja, na klar hab ich die typischen Wünsche irgendwann mal eine Familie und Kinder zu haben, aber jetzt gerade konkret habe ich die Idee, den Plan, ich weiß nicht, wie ich es nennen soll, für mindestens ein Jahr in einem anderen Land zu leben. Bis jetzt war ich immer nur für einige Monate im Ausland. Ich glaube ich brauche das, um zu verstehen, möchte ich hier bleiben oder nicht.

Werte im Leben
Für mich sind in erster Linie Familie und Freunde wichtig. Dann meine ich, dass der Mensch ehrlich und wahrhaft sein sollte. Und dann vielleicht noch Optimismus.

Das Ausland
Ich war in den Staaten, Polen und Italien, Tschechien, der Ukraine und Deutschland. Unterschiede zwischen Moldau und anderen Ländern sind schwer auszumachen. Na ja, wenn wir die Menschen nehmen, dann sind sie hier zu geduldig. Und vielleicht noch, dass sie ihr eigenes nicht schätzen können d.h. die Moldauer sind nicht stolz auf ihre Geschichte, auf das, was sie haben. Anziehend findet man immer nur das, was weit weg ist, aber auf das, was es vor der eigenen Nase gibt, konzentriert man sich nicht. Ich meine damit Werte oder auch Materialien, die hier sind und die man nutzen könnte. Was der Nachbar hat, ist sowieso immer besser. Ich kenne Leute aus ähnlich kleinen Ländern, dem Kosovo, Albanien, Mazedonien, die sind alle stolzer, auf das was sie haben, wer sie sind und wo sie herkommen.

Moldau heute und in der Zukunft.
Ich fühle unsere beiden Sprachen, Rumänisch und Russisch, als Vorteil. Gleichzeitig sehe ich auch ein dass es in einem Land eine offizielle Sprachen geben muss, aber es gibt doch viele Länder, wo zwei Sprachen gesprochen werden. Das ist kein Problem, im Gegenteil, das ist ein großes Plus. Ich bin der Meinung, wenn ein Mensch wirklich will, kann er auch mehr als zwei Sprachen lernen. Diese Streitigkeiten bei uns, um das angebliche Sprachproblem, sind politische Streits. Die Leute an sich haben eigentlich kein Problem, wobei es schon Überzeugungen gibt gegenüber der anderen Sprache. Aber das ist Sturheit, reine Sturheit.
Ich weiß nicht, ob ich Moldau eher in der EU oder in der Zollunion sehen soll. Ehrlich gesagt, glaube ich, dass wir hier einen Mensch brauchen, der das Schicksal dieses Landes in die Hand nimmt. Nehmen wir als Beispiel Weißrussland. Da gibt es seit mehr als 15 Jahren einen Präsidenten. Gut, das hat auch seine Nachteile, aber das Land befindet sich zumindest nicht in so einem Zustand wie Moldau, 20 Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Ich habe manchmal das Gefühl, dass Moldau einen Tyrannen braucht, der hier ein bisschen für Ordnung sorgt (lacht). Hier macht jeder, was er will. Deshalb glaube ich, dass man jemanden braucht, der das ein wenig begrenzt. Trotzdem muss Moldau sich international in einen System integrieren (EU oder Zollunion), weil wir auf Export angewiesen sind. Aber, wenn wir in unserem Land nicht zuerst Ordnung schaffen, sind wir für niemanden zu gebrauchen. Stabilität ist das Stichwort, zumindest, dass der Mensch weiß, dass er morgen nicht an Hunger stirbt. Das ist wichtig.

„Der Rumäne hält den Moldawier für einen Menschen zweiter Klasse.“

An dieser Stelle sollen Menschen aus meinem Arbeitsumfeld mit ihren Geschichten, ihrer Biografie zu Wort kommen:

 

Ich heiße Valentina Evgenija Barmak, ich bin 1941 in Chisinau geboren. Aufgewachsen bin ich in Chisinau. Ich hatte nur eine Mutter, meinen Vater kenne ich nicht, er ist aus dem Krieg nicht zurückgekehrt. Nichtmal ein Foto ist von ihm geblieben. Meine Mutter arbeitete zuerst als Putzfrau im Kinderkrankenhaus, später war sie für die Desinfektion in Krankenhäusern zuständig. Wir lebten fast 40 Jahre im Zentrum von Chisinau, in der Komsomolzenstraße (heute Mihai Eminesu), dann haben wir nach langem Anstehen ein 2-Zimmer-Neubauwohnung erhalten.

Bildung
Ich besuchte die Schule bis zur 9. Klasse, dann habe ich den Abschluss der 10. Klasse in einer Abendschule nachgeholt. Das war keine einfache Zeit. Ich musste meiner Mutter helfen, Geld zu verdienen, so ging ich morgens um acht aus dem Haus zur Arbeit im Lager einer Apotheke, wo man mir beibrachte mit Rechenschiebern Waren zu sortieren. Und nach der Arbeit dann in die Schule. Vor Mitternacht kam ich selten nach Hause in dieser Zeit. Nach der 10.Klasse ging ich weiter auf eine medizinische Berufsschule, wo ich eine Ausbildung zur Krankenschwester absolvierte. Allerdings auch die als Abendschule. Dann verschaffte meine Mutter mir eine Arbeit im Infektionskrankenhaus „Toma Ciorba“. Injektionen konnte ich zu dem Zeitpunkt schon vornehmen. Ich arbeitete in der Abteilung für Hepatitserkrankungen. Da musste man aufpassen sich selbst nicht anzustecken.
Außerdem gab es in Chisinau eine Abendschule für Musik. Da habe ich dann nochmal zwei Jahre ein Stimmausbildung gemacht, dann wechselte ich zum Chordirigieren.
Ich war dreimal unglücklich verheiratet, Kinder habe ich keine.

Stationen des Lebens
Durch eine Freundin und Kollegin bekam ich die Möglichkeit auf der Insel Sachalin zu arbeiten. Damals brauchte man dafür noch die Erlaubnis der Polizei, schließlich war die Insel Grenzbereich. 3 Jahre habe ich da gearbeitet, bevor ich nach Chisinau zurückkam.

Erinnerungen an die Zeit des Umbruchs 1990er
Eine traurige Zeit. In der Sowjetzeit war die Medizin kostenlos, für die Wohnung zahlte man Kopeken, keine Zähler für Wasser, Strom für vier Kopeken das Kilowatt. Heute sind überall Zähler, die reinste Willkür. Läuft irgendwo Wasser aus, sind Leitungen defekt, wird das den Menschen in Rechnung gestellt. Entschuldigung, wo sind die Dienste, die den Schaden reparieren?
Meine Mutter ist 1990 gestorben, nach langer Krankheit. Ich hatte noch ein Sparbuch von ihr, doch dann kam die Währungsreform. Es blieb nichts mehr, alles Geld war wertlos. Die Menschen hatten nichts mehr. Hier, wo heute dieses Haus steht, war früher eine Art Flohmarkt der traurigen Sorte. Menschen kamen und verkauften alles, was sie noch zu Hause finden konnten, um wenigstens etwas zu essen zu kaufen und die Wohnnebenkosten zu bezahlen, die sich extrem verteuert hatten. Es gab natürlich auch die, die reich geworden sind, aber mit Sicherheit nicht auf ehrliche Weise. Wir, die einfachen Menschen, haben Zeitungen auf der Straße verscherbelt oder in einer Großbäckerei Brot gekauft und das dann am späten Abend, wenn die Geschäfte schon zu hatten, versucht für zumindest ein paar Kopeken mehr weiterzuverkaufen.
Die Leute sind in dieser Zeit wie zu Wilden geworden, früher waren die Menschen eher freundlich und zuvorkommend. Aber jetzt – jeder denkt nur noch an sich, sein Business. Ist ja auch nicht verwunderlich, irgendwie geht es ja ums Überleben. Dann fingen die Menschen an auszuwandern. Wir haben doch ein wunderbares Klima hier, fruchtbare Böden, da kann man Leben. Wir hatten ein blühendes Moldawien. Als ich noch jung war, konnte man im Zentrum für eine Kopeke zwei Kilo Tomaten kaufen. Wir Kriegskinder kümmerten uns um uns selbst. Standen an, man musste damals überall anstehen, weil alle Menschen auf Kosten des Staates versorgt wurden. So gab es im Geschäft Zwiebeln, Wurst, Käse alles mit festgesetzten Preisen. Die allerbeste Wurst damals kostete vier Rubel, vier Rubel! Wenn man heute Werbeblätter öffnet, schlagen uns schon hunderte von Lei entgegen.
Jetzt verliert unsere Währung, dieser Lei, immer mehr an Wert. Für einen Euro bekommt man schon mehr als 20 Lei. Die Preise, besonders für Medikamente, steigen ins Unermessliche. Noch ein Beispiel – früher kamen Teams von Medizinern zu den Menschen in die Hinterhöfe um kostenlos Tuberkulosevorsorge anzubieten, jetzt zahlt man dafür mehr als 100 Lei. Nicht verwunderlich, dass Tuberkulose so ein ernstes Problem ist. Die Regierung zerbricht sich über den einfachen Menschen nicht den Kopf. Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit, sogar Hunger. Machen Sie doch endlich was! Geben Sie den Menschen das Gefühl noch Menschen zu sein. Wir kämpfen hier gerade um das nackte Überleben.

Nationale Zugehörigkeit
Ich bin Russin. Aber meine Mutter, hier war ja bis zum zweiten Weltkrieg das Rumänien der Bourgeoisie, konnte nur vier Jahre lang zur Schule gehen. Natürlich auf eine rumänische Schule, russische gab es damals nicht. Aber ich mag diese Ablehnung der rumänischen Sprache hier nicht. Ich will nicht sagen, dass z. B. meine Mutter die Sprache ideal beherrschte, zumindest aber konnte sie sich unterhalten. Wir lebten in einem internationalen Hinterhof, Juden, Russen, Moldawier, Ukrainer, Bulgaren, eine Estin, eine Polin, eine Georgierin. Es gab einen Wasserhahn, einen Müllcontainer, eine Toilette. Es gehörte einfach alles allen. Als dann klar wurde, dass Moldawisch (Anmerkung: identisch mit Rumänisch) Amtssprache wird, habe ich mir selbst gesagt: Valja, du bist hier geboren, hast dein ganzes Leben hier gelebt, du wirst hier sterben. Und dann kommt die Wasserrechnung ins Haus und du kannst sie nicht lesen? Also war ich auf allen kostenlosen Kursen, die vor allem zu Anfang viel organisiert wurden. Man braucht die Sprache ja schließlich für alles und sei es nur im Trolleybus zu fragen: Steigen Sie aus?.
Aber es gibt hier ein Problem mit wachsendem Nationalismus. Dabei ist das mit der moldawischen Nation durchaus schwierig. Die Moldawier schickten ihre Kinder selten auf eine weiterführende Schule. Das ist ein Agrarland, da hat es den Vater wenig interessiert, dass das Kind lernt und lernt, aber in Haus und Hof nicht mit anpackt. Unser Land war ganz hinten, was die Bildung von Kindern anging. Woher kamen denn die Kader? Als Moldawien 1941 mit Transnistrien zur Moldawischen SSR vereinigt wurde, kamen die Eliten von der anderen Seite des Dnjestrs und überhaupt zogen die Menschen aus Odessa und der ganzen Sowjetunion hierher. Eben weil es in Moldawien nicht eine Hochschule gab. Wir lebten hier wie eine rumänische Kolonie. Der Rumäne hält den Moldawier für einen Menschen zweiter Klasse. Ein Beispiel, das mir meine Mutter erzählt hat: Ein Dorfbewohner kommt auf den Zentralmarkt nach Chisinau, um seine Waren zu verkaufen. Natürlich will er dann auch das Zentrum sehen, aber die Gendarmen lassen ihn nicht auf der Hauptstraße flanieren, sondern schicken ihn zurück zum Markt. Dabei will er doch nur die Hauptstadt seiner Heimat sehen.
Ich sag dir, unter sowjetischer Herrschaft gab es zwar viel schlechtes, aber mehr gutes. Russland ging als erstes Land der Welt überhaupt diesen Weg des Sozialismus, da gab es eine Vielzahl an Fehlern und Problemen. Wie ein Kind, das muss auch erst laufen lernen und fällt die ersten Schritte machend auch immer mal wieder hin. Das war so, was sollen wir machen. Aber schlecht haben wir nicht gelebt.

Hoffnungen, Träume, Wünsche
Seit über 20 Jahren sind hier die Reichen und Oligarchen an der Macht. Ich möchte, dass Voronin (Anmerkung: Vorsitzender der Kommunistischen Partei) an die Macht kommt. Wir brauchen eine richtige Demokratie. Die Leuten haben ja geradezu Angst zur Wahl zu gehen.
Wir sind ein Weinland, man produziert Wein und (Stimme wird leiser) ich würde nicht bezweifeln, dass einige im betrunkenen Zustand noch Kinder machen. Entschuldige so ein Ausdruck. Aber es gibt kein so großes Gefühl der Heimatverbundenheit und des Patriotismus. Die Menschen auf dem Dorf sind dümmlich. Die Sowjetmacht hat allen die gleiche Bildung ermöglicht. Allen. Aber in der Stadt war man schon fortschrittlicher.
Als Voronin noch an der Macht (2001-2009) war, wurden die Denkmäler an den Zweiten Weltkrieg wieder hergerichtet. Friedhöfe neu angelegt. Zum Tag des Sieges am 9. Mai kamen Menschen zusammen um den Gefallenen zu gedenken. Dank dieser Menschen wurden wir, und nicht nur wie, sondern ganz Europa, vom Faschismus befreit. So war es nun einmal, die Geschichte können wir nicht ändern.

Werte im Leben
Der Mensch muss erstmal gesund sein, dann soll er lesen und reisen.

Erfahrung mit Deutschen
Ich wurde 1941 geboren, Chisinau wurde gerade bombardiert. Zerstörung, kein Geld, nichts, leb wie du willst. Ich war also noch klein und schwach und bekam plötzlich irgendeinen Hautausschlag. Meine Mutter hat alles versucht, nichts half, ich war schon im Sterben. Draußen auf dem Hof saß meine Mutter und weinte als plötzlich ein Deutscher durch das Hoftor kam. „Waschen Sie doch bitte meine Wäsche“, begann er. „Ich kann nichts waschen, mein Kind stirbt.“, anwortete meine Mutter. „Zeigen Sie mir sie doch mal.“ Mutter brachte ihn ins Zimmer. „Warten Sie einen Moment, um die Ecke ist unser Krankenhaus, ich komme gleich zurück.“ Dann kam er zurück und brachte schon ein Medikament mit. Eine Dose aus Aluminium mit einem Säckchen drin, dieses Mittel nahm ich und wurde wieder gesund. Als ich 14 war, fand ich beim Aufräumen zufällig eine Kiste mit dieser Dose. Ein Antibiotikum war es, das mich damals rettete.
Ich hörte auch von anderen Leuten, dass die Deutschen Kindern zu essen gaben und kleine Süßigkeiten. Sie sahen ja, dass die Kinder hungern. Das waren doch auch nur Menschen, die zu Hause ihre Familie zurückgelassen hatten. Der Krieg war ja für die Deutschen auch kein Zucker.

Und welcher Nationalität sind Sie? – Deutscher.

Eine neue Episode aus meinem Arbeitsleben. Ich bin an diesem nebligen Mittwoch als Übersetzer unterwegs. Für unsere französische Freiwillige soll ich von Russisch nach Englisch übersetzen. Wir fahren zusammen mit Irina von der caritas Moldova zu einer alten Damen, die zusammen mit ihrem Sohn in einer Wohnung wohnt. Beiden sitzen im Rollstuhl und können sich nicht mehr vor die Tür bewegen. Die Arbeit der caritas ist eine Art mobiler Pflegedienst. Irina putzt, wäscht die Menschen, kauft ein. Bevor wir in die Wohnung gehen, instruiert sie uns – wir sollen lächeln, nicht geschockt sein von den Lebensumständen. Die 91-jährige Dame empfängt uns, sie freut sich sichtlich über unseren Besuch. Und dann beginnt sie auch schon zu erzählen. Maria Pawlowna heißt sie, es ist schwer, sie für die Übersetzung zu stoppen. Es ist überhaupt schwer zu übersetzen, was sie erzählt. Geboren ist sie in der Zentralukraine, nördlich von Kiew. Dort hat sie den Krieg erlebt. Davon erzählt sie uns. Sie erzählt von einer jüdischen Freundin, mit der sie sich in der Schule eine Bank teilte. Überhaupt habe es keinen Unterschied gegeben zwischen Juden, Ukrainern, Russen. Dann kamen die Deutschen. Alle Juden wurde abgeholt und auf dem nächst besten Feld erschossen. Das alles erlebt sie als 17-Jährige. Die Angst hat in dieser Zeit dominiert, setzt sie fort, man wusste nicht, wacht man am nächsten Morgen noch lebendig auf oder nicht. Es gab eine Kirche in Marias Heimatstadt, die wurde im Krieg zu einem Lazarett umgewandelt. Die Stadt wurde von der den Deutschen besetzt. Ein oder zwei Tage später lud man alle Verletzten aus der Kirche auf LKWs und brachte sie vor die Stadt. Wieder auf ein Feld. Wieder wurden alle erschossen. Ein kalter Schauer läuft mir den Rücken hinunter. Die Atmosphäre ist skurril. Wir tragen einen mintfarbenen Mundschutz. Nicht etwa weil die Maria und ihr Sohn krank wären, sondern weil wir von draußen unzählige Bakterien mitbringen. Ein bisschen Stolz berichtet sie weiter davon, wie sie 1944 in Charkow anfing Medizin zu studieren. Dort lernte sie auch ihren Mann kennen. Er beendete das juristische Institut. Zusammen gingen sie Anfang der 1950er Jahre nach Chisinau. Maria Pawlowna arbeitete 42 Jahre. Dann verliert sie ihre Sehkraft und kann nicht mehr arbeiten, mehrmals bekräftigt sie, dass man als Arzt ohne Augenlicht nicht arbeiten kann. Fast als müsste sie sich dafür rechtfertigen. Sie sagt, sie kann unsere Gesichter nicht sehen. Eine merkwürdige Vorstellung. Menschen erkennt sie vor allem an ihrer Stimme. Uns interessiert schließlich noch ihre Familie. Einen Sohn, zwei Enkel und zwei Urenkel hat sie. Ob sie sie besuchen frage ich weiter. Nein, nach Amerika seien sie ausgewandert, bemerkt sie säuerlich und gleichzeitig ein wenig traurig, als ob man da auf sie warten würde, fügt sie noch leise an. Nach fast zwei Stunden Gespräch verabschieden wir uns. Maria bedankt sich, dass wir ihren Tag verkürzt haben. Am Anfangs wurde ich nur als Übersetzer vorgestellt. Jetzt, als wir schon wieder unsere Jacken anhaben, fragt sie, welcher Nationalität ich sei. Deutscher sage ich. Da wird sie ein wenig verlegen und sagt: Nicht alle Deutschen waren schlecht. Aber die SS, sie stockt, um Gottes Willen nicht die SS. Eigentlich bin ich derjenige, der in dieser Situation verlegen werden müsste.

Karpatenabenteuer

Zu einem richtigen Winter gehört auch richtiger Wintersport, möchte man meinen. Das sei uns nicht zweimal gesagt. Wenn schon Wintersport, dann aber richtig. So schließen wir uns also einer kleinen Gruppe moldawischer Schüler und ihrer Familien an, um  in den ukrainischen Skiort Dragobrat zu fahren. Der Winter empfängt uns schon auf der Straße. Starker Schneefall, Wind, die ohnehin schon eher aus Schlaglöchern als aus Asphalt bestehende Straße ist nicht mehr zu sehen. Für unseren routinierten Busfahrer soll das aber nicht hinderlich sein. Wir fahren einmal durch die ganze Republik Moldau, stehen mitten in der frostigen Nacht ewig an der Grenze zur Ukraine und fahren dann weiter durch scheinbar unendliche Dörfer. Es ist der orthoxe Heiligabend, ab uns an sieht man Babuschkas mit Kopftuch durch die Nacht eilen. Dann tauchen im Morgengrauen Berge vor uns auf, eher Hügel, die wir langsam erklimmen. Der Schnee wird höher, die Tannen am Straßenrand immer undurchsichtiger. Schließlich kommen wir gegen halb 8 in einem Dorf am Fuß des Berges an. Von nun an geht es nur noch mit einem sowjetischen Gaz-LKW weiter. Andere Fahrtzeuge bewältige die verschneiten Waldwege nicht mehr. Der Gaz nur leider auch nicht immer – nach 10 Minuten Fahrzeit gibt es einen Ruck. Motorschaden. Draußen sind 25°C unter null. Ist der Motor kaputt, funktioniert auch kein Ofen mehr. Nach 45 Minuten und gefühllosen Zehen können wir in ein anderes Gefährt umsteigen. Gegen halb 10 kommen wir endlich oben an – Dragobrat empfängt mit wunderbarstem Sonnenschein. Davor aber noch ein ordentliches ukrainisches Frühstück. Gretschka (Buchweizen) und ein ordentliches Stück Fleisch werden aufgetischt. Die Piste wartet. Hier sagen Bilder wirklich mehr als 1000 Worte. Pures Glück.

Zu schön, wenn das Wetter so bleiben würde. Nebel und Schneesturm dürfen auf 1500 Höhenmetern nicht fehlen. Zugegeben, viele Schneestürme habe ich noch nicht erlebt, aber der sprengt doch alle Vorstellungen. Gefühlt ein Meter Neuschnee, mannshohe Schneewehen, kein Gefährt kommt mehr vor oder zurück. Am nächsten Tag sind die Lifte wieder offen. Die Pisten auch. Naja. Pisten bedeutet in diesem Fall, dass sich Schneewehen und Eisplatten abwechseln. Das Skifahren bekommt einen, sagen wir, besonderen Charakter. Nichtsdestotrotz. Wir wollten ja richtigen Wintersport – da ist er.

 

 

Galerie

Wie es früher einmal gewesen sein könnte oder eine Reise an den Dnjestr

 

 

Alle austeigen!, ruft die Kontrolleurin im Bus. Wir sind an der Grenze angekommen.Eine Grenze, die es offiziell nicht gibt. An diesem Sonntag machen wir einen Ausflug nach Transnistrien (rus: Приднестровье). Im Bus haben wir eine Migrationkarte mit allen Details über unseren Aufenthalt ausgefüllt. An der Grenze reihen wir uns schweigend in die Schlange ein. Der Kontrolleur fragt uns nach den Namen unserer Väter. Dann dürfen wir passieren.

In Bender schauen wir uns die mittelalterliche Festung an, um die schon Schweden und Osmanen gekämpft haben. Auch der berühmte Baron Münchhausen soll hier unterwegs gewesen sein, eine Kanonenkugel erinnert an ihn. Der Zugang zur Festung liegt in einem Industriegebiet, man zahlt an der Kasse in transnistrischem Rubel, der Landeswährung. Den Ausgang hoffen wir auf der anderen Seite der Festung zu finden, aber wir landen in einer Militärkaserne. An den Mauern prangen Schriftzüge wie: Ewigen Ruhm unseren Helden. Ehre der Heimat. Ich diene, um mein Volk zu schützen.  Dann gelangen wir an einen Kontrollpunkt und gehen wie ganz selbstverständlich zwischen den grüßenden Soldaten hinaus.

Die Straßen in Bender sind sauber und leer. Die Ampeln scheinen neu installiert zu sein. Wir spazieren ein wenig um die Häuser, statten dem Zentralmarkt einen   Besuch ab, flanieren auf der Leninstraße. Vor dem Haus der Kultur ein heroisches Denkmal für einen Widerstandskämpfer gegen die rumänische Besatzung. Auf der Dnjestr-Promenade schon wieder irgendein graues Mahnmal, entschlossen dreinschauende Menschen. Wir kommen an einen alten Autoscooter, ein Vater mit seinem Sohn ist in einem einzigen funkendem Fahrzeug unterwegs. Die Werbeaufschrift ist ausgeblichen.

In der Stadt spricht man Russisch. Die Werbung auf den Straßen ist Russisch, die Informationen im Marschrutka auch. Das ist vielleicht der einzige wirkliche Unterschied zwischen Transnistrien und Moldau. Dann kommen wir an  das Lenindenkmal, gegenüber das Maxim-Gorki-Kino. Na gut, ein bisschen schmunzeln muss ich doch.

Schwimmen auf moldawisch

Ich hab mir vorgenommen Sport zu machen. Also los! „Hai давай“ sagt man hier (die typische Mischung aus Rumänisch und Russisch). Ein flacher Plattenbau inmitten typischer sowjetischer Hochhäuser. Den Eingang erreicht man über eine unscheinbare Stahltreppe, auf einem blauen Schild ist die Sportschule Nr.25 ausgeschrieben. Hier gibt es ein Schwimmbad. Zwischen sieben und neun Uhr abends  dürfen hier auch Normalbürger schwimmen gehen. Sehr gut. Ich komme in einen kleinen Flur mit Bänken an der Seite und von dort aus in ein Zimmer mit Jacken und Schuhen. Hellbrauner Linoleumfußboden. Ich spreche eine Frau an  und mache meinen sportlichen Willen deutlich. Sie lächelt, fragt mich nach meinem Alter. Erwachsene zahlen 46 Lei, Schüler 30 Lei. Ich zahle 30. Freiwillige haben Glück. Hier zumindest.

Die Umkleidekabinen sind gefliest, die Bänke am Rand des Raumes sind niedrig, für Kinder gemacht. Durch die Dusche kommt man in eine dunstige Schwimmhalle. Weißes Neonröhenlicht.. 4 Bahnen á 25 Meter. Ich steige in das blaue Becken, das Wasser ist warm, angenehm. 28°C steht an einer Tafel. So fange ich an meine Bahnen zu ziehen. Ein bisschen erschrecke ich, als ich mich an einem Ende plötzlich am Beckenboden stoße – der Boden macht einen Knick. Wohl das Kinderbecken.

Außer mir sind noch jede Menge Kinder im Wasser, das Schwimmen wird mehr und mehr zu Herausforderung. Es spritzt von allen Seiten, das nächste Bein, der nächste Körper ist nie weit. Ein durchtrainierte Schwimmer pflügt noch durchs Becken, ohne Rücksicht auf Verluste versteht sich. Ausweichen will gelernt sein, einmal kollidieren wir.

An einem Ende gibt eine strenge Schwimmlehrerin einigen Mädchen Unterricht. Auf Rumänisch brüllt sie Anweisungen durch die Halle. Es hallt. Ich habe bedenken, dass die armen Kinderchens trotzdem gleich absaufen und in den Tiefen des Beckens verschwinden. Aber was solls, da müssen sie wohl durch. Die eine Stunde vergeht schnell. Wohl weil mir plötzlich die Idee kommt, einen Blogeintrag zu schreiben.

Ich steige aus dem Becken und gehe in die Dusche, irgendwelche Jungs witzeln neben mir, fragen mich auf Rumänisch, ich verstehe nur irgenwas mit „gelb“. Ich bitte sie Russisch zu reden. Ich solle doch beurteilen, ob einer der beiden gelbes Haar hat. Das Haarshampoo scheint zum colorieren gedacht. Ich kann ihn beruhigen, nichts Gelbes in Sicht.

Zurück im Repzeptionsraum kommt, was kommen musste. Ich werde interviewt. Woher kommst du? Was machst du? Wo wohnst du? Wie gefällts dir? Nette Leute.